Gedenken: 30 Jahre Mauerfall

Samstag
09 Nov
2019

Die Gedenkveranstaltung am Freiheits- und Einheitsdenkmal in unmittelbarerer Nähe zum Alten Gasometer, anlässlich des 30. Jahrestages des Falls der Mauer, brachte Zwickauer Bürger zusammen. Trotz regnerischem kalten Wetters erfreuten sich die Besucher an einer künstlerischen Performance des Mondstaubtheaters Zwickau, die einen symbolischen Mauerfall inszenierten und eigens dafür errichtetes „Mauerstück“ aus Holz und Stoff abrissen. Ein großer Dank geht deshalb an die theaterbegeisterten Menschen, aber ebenso an die Redner. Es sprachen die Bürgermeisterin Kathrin Köhler und Olivia Tschiersch und Sven Richter vom Jugendbeirat Zwickau. Die Worte des Erinnerns, aber auch die Worte über die Freiheit, die allen Menschen nach dem Mauerfall gewährt wurden, waren sehr bewegend und regten zum nachdenken an. Am Ende der Veranstaltung wurde ein Kranz zum Gedenken an die Opfer der Mauer niedergelegt.

Die Rede des Jugendbeirates zum Thema Freiheit können Sie sich gerne hier noch einmal durchlesen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin Olivia Tschiersch 15 Jahre Alt und das ist Sven Richter 20 Jahre und wir beide vertreten heute den Zwickauer Jugendbeirat. Wir wurden, für heute zum Gedenktag des Mauerfalls, vom Gasometer gebeten eine kleine Rede zu halten. Diese Anfrage nehmen wir gerne wahr, weil auch, wenn wir auch nicht direkten Kontakt zur DDR und der Mauer hatten, haben unsere Eltern und Großeltern, diesen noch aktiv miterlebt und uns somit auch geprägt. Deshalb haben wir uns im Jugendbeirat kurz überlegt was wir hier heute sagen und was uns wichtig ist. Und das ist, wie auch hier steht, die Freiheit!
Die Freiheit zu entscheiden wer man ist.
Die Freiheit zu entscheiden was man im Leben machen möchte.
Die Freiheit zu reisen und überall hin die Welt zu erkunden.
Die Freiheit sich für andere einzusetzen.
Die Freiheit Grenzen zu überschreiten und in Europa frei zu reisen.
Und da wären wir auch beim zweiten Punkt. Europa. Denn ohne den Mauerfall gäbe es dieses Europa, wie wir es heute kennen mit Erasmus, […] Gemeinschaft nicht. So würden Initiativen wie Fridays For Future […] nicht funktionieren. Aus diesem Grunde sind wir glücklich, eine Meinungsfreiheit zu haben. Demonstrieren zu gehen ohne verhaftet zu werden und damit dem Staat zu zeigen, dass er auch auf uns hören muss, denn das nennt man Demokratie und wir, der Demokratisch gewählte Jugendbeirat, setzten uns für die Demokratie ein […]. Wir können uns zum Glück nicht vorstellen, was diese Sachen früher bedeutet haben, weil wir glücklicher Weise in einer Zeit geboren sind, in all das selbstverständlich ist. Allerdings nutzen wir auch noch die positiven Dinge. Zum Beispiel die Simsons, die uns auch heute noch treu begleiten. Als letzten Satz, möchten wir noch sagen, dass wir uns leider nicht vorstellen können, wie das Gefühl der Menschen damals war, als die Mauer gefallen ist, aber wir es gut finden, dass diesem Tag auch heute noch gedacht wird. Wir danken vielmals, dass wir als Jugendbeirat sprechen durften und ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

Der Verein Alter Gasometer schenkte 2011 der Stadt Zwickau ein Segment der Berliner Mauer. Dieses erhielt der Verein als Geschenk des damaligen Abrüstungsministers der DDR Herrn Eppelmann 1989 geschenkt. Das Mauersegment wurde von der Künstlerin Erika Harbort zum  Zwickauer Freiheits- und Einheitsdenkmal umgestaltet und am 3. Oktober vor dem Alten Gasometer der Öffentlichkeit übergeben.

Diese Gedenkveranstaltung ist dabei nur eine von vielen im Rahmen des Festjahres „30 Jahre friedliche Revolution – 30 Jahre Deutsche Einheit“ und der Gedenkreihe „Novembertage“.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

„Zwickau, erinnerst Du Dich?“ mit Prof. Dr. Aleida Assmann

Freitag
08 Nov
2019

Gemeinsam mit dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium und dem Mütterzentrum ist es uns gelungen, im Rahmen der Reihe „Schule im Dialog“ und der „Novembertage“ die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2018 nach Zwickau einzuladen. Frau Prof. Dr. Assmann referierte knapp 60 Minuten über Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland, Städten wie Zwickau und in Schulen. Dabei spielten auch die Nachkriegsjahre und Generationen eine Rolle, das schwierige Verhältnis zum Begriff der „Nation“ sowie die unterschiedliche Aufarbeitung in Ost und West. Anschließend hatten die ca. 150 Gäste Gelegenheit, sich an der offenen Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Stadtverwaltung, Schule und Zivilgesellschaft zu beteiligen. Ein großes Thema bei allen: Die Aufarbeitung des NSU und das Gedenken an die Opfer in Zwickau.

Veranstalter: SOS Mütterzentrum | Käthe-Kollwitz-Gymnasium | Alter Gasometer e.V. | 

Gedenktag an die friedliche Revolution des Jahres 1989

Mittwoch
16 Okt
2019

Der 16. Oktober 1989 war für Zwickau ein Meilenstein-Tag, denn er markierte den Beginn einer neuen Freiheit. Erstmals fand an diesem Tag in der Marienkirche ein Friedensgebet statt. Viele Menschen kamen und fortan gehörte die Teilnahme an weiteren Friedensgebeten mit anschließenden Demonstrationen zu den bleibenden Höhepunkten in ihrem Leben.
Ein lokaler Gedenktag soll fortan, beginnend mit dem 16. Oktober 2014, die Erinnerung an die wichtigen Ereignisse der friedlichen Revolution lebendig halten und sie zugleich vor einem etwaigen Vergessen bewahren. Den Vorschlag hatte das Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region der Stadt Zwickau im März 2014 gemacht. Eine entsprechende „Satzung der Stadt Zwickau über die Bestimmung des 16. Oktober als Gedenktag an die friedliche Revolution des Jahres 1989″ beschlossen die Zwickauer Stadträte schon im Folgemonat, am 24. April 2014. Künftig soll dieser Tag mindestens alle fünf Jahre durch entsprechende Veranstaltungen aufgewertet werden.

Auf den Tag genau vor 30 Jahren reihte sich Zwickau in die Zeit des Aufbruchs ein. Pfarrer Storl begrüßte damals hunderte Zwickauer im Dom zum ersten Friedensgebet. Es folgte eine Zeit des Umbruchs, der Unsicherheit, aber auch des gemeinsamen Dranges nach Freiheit, der stärker war, als so manche Ängste. Anlässlich dieses Jubiläums trafen sich die führenden Akteure von damals und erinnerten in einem neuerlichen Friedensgebet an jene geschichtsträchtigen Tage. Im Anschluss wurden in einem Rundgang Orte der friedlichen Revolution besichtigt und Hintergründe von Zeitzeugen erläutert. Vom Dom ging es zur Katharinenkirche, zur ehemaligen Stasizentrale, die damals mit einer Menschenkette von hunderten Zwickauern in der Lessingstraße umstellt wurde, und abschließend zur Moritzkirche.

Diese Gedenkveranstaltung ist dabei nur eine von vielen im Rahmen des Festjahres „30 Jahre friedliche Revolution – 30 Jahre Deutsche Einheit“ und der Gedenkreihe „Novembertage“.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Sonntag
27 Jan
2019

Anlässlich des internationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus fand auch in Zwickau eine Gedenkveranstaltung statt. Rund 70 Personen nahmen an dem geführten Rundgang durch die Stadt Zwickau teil.

Zu Beginn versammelte man sich auf dem Platz der Völkerfreundschaft. Begonnen wurde das Gedenken mit einigen ergreifenden Worten der Baubürgermeisterin Kathrin Köhler. Die wies darauf hin, dass gerade in der heutigen Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt, ein aktives Gedenken auch für die jüngere Generation von großer Wichtigkeit ist, um nicht zu vergessen. Im Anschluss erläuterte der Historiker Christian Landrock die Route des Erinnerungsspazierganges und ging auf die Rolle Zwickaus zu Zeiten des Nationalsozialismus ein. Dabei wurde klar, dass Zwickau einer der ersten Orte außerhalb des Freistaates Bayerns ist, in dem die NSDAP Fuß fassen konnte. Der zweite Gedenkort, der besucht wurde, war der Georgenplatz. An dieser Stelle befand sich ab 1935 das Polizeipräsidium, von dem aus die unrechtmäßige Verfolgung der Zwickauer Juden und der Gegner des NS-Regimes organisiert wurde. An dem dafür aufgestellten Gedenkstein wurden den Opfern, durch Niederlegung einer Rose und dem Entzünden einer Kerze, gedacht. Im Anschluss fand man sich am Schloss Osterstein zusammen, welches als „Wildes Konzentrationslager“ bezeichnet wurde. Als Außenstelle des KZ Flossenbürg wurden hier ebenfalls Menschen unrechtmäßig eingesperrt und ermordet. Zum Abschluss gedachte man am Standort des ehemaligen jüdischen Gebetshauses, in der Katharinenstraße, der jüdischen Opfer des Nationalsozialisums.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.