Kulturstammtisch mit Sachsens Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch im Alten Gasometer

Freitag
18 Sep
2020

Am Freitag trafen sich rund 20 Vertreter*innen der Zwickauer Kulturszene mit der stellvertretenden Oberbürgermeisterin Kathrin Köhler und Sachsens Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch im Alten Gasometer. Die Teilnehmer*innen konnten ihre Sicht der Dinge zur aktuellen Krise aus ihren jeweiligen Perspektiven darstellen. Diese waren vielfältig, denn mit dabei waren freie Träger, ehrenamtlich Engagierte, freie Künstler, kleine und große Vereine aber auch kommunale Betriebe.

Der Ort war nicht zufällig gewählt. „Herr Zenner war einer der ersten, der zum Telefon griff, um zu berichten, wie es um den Verein Alter Gasometer steht“, so die Staatsministerin, die sich am Freitag vor allem coronabedingte Sorgen anhören musste.

Mario Zenner, Geschäftsführer des Vereins Alter Gasometer und Vorsitzender des Kulturbeirates Vogtland Zwickau, der sich in Krisenzeiten mit der Stadt Zwickau eine bessere Kommunikation wünscht, fasste es so zusammen. „Wir machen seit Anfang Juni wieder Kultur. Bei aktuell maximal 80 Sitzplätzen bei sonst bis zu 600 Stehplätzen, sei dies aber betriebswirtschaftlich Unsinn.“

„Niemand wisse, wie es mit dem Infektionsgeschehen weitergeht, Corona sei auch noch am 1. Januar 2021 da. Daher dürfe das Geld in den Kultur-Kassen von Stadt,  […] Kulturraum und Land nicht weniger werden. Insbesondere bei den Verhandlungen zum neuen Finanzausgleichsgesetz oder beim Thema Entfrachtung der Landesbühnen aus den Kulturräumen muss mit Engagement für Kultur gerungen werden.“ so Zenner weiter.

Dem stimmte die Ministerin zu. Sie machte keinen Hehl daraus, dass es hinsichtlich der Haushaltsdebatte „ein knallhartes Ringen um Prioritäten geben wird“. Sie versprach den hiesigen Kulturakteuren sich für Kultur weiterhin stark zu machen.

Mario Zenner dankte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich der Stadtverwaltung sowie dem Kulturausschuss für die nun bereitgestellten finanziellen Mittel für Vereine im Bereich Jugend, Soziales und Kultur. Nach den zähen Verhandlungen im Frühjahr bedingt durch die kommunale Haushaltssperre und der resultierenden extremen Streichliste, erfolgte damit nun ein wichtiges Signal durch die Stadt an die Träger.

Ein anderes Ärgernis packte Kultour-Z-Chef Jürgen Flemming auf den Tisch: Für die Durchführung von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen bräuchte es mehr Klarheit, um besser planen zu können. „Auch der Zwickauer Weihnachtsmarkt ist eine schwierige Sache“, sagte Flemming, der für die Organisation nicht erst auf die nächste Allgemeinverfügung im November warten könne. „Wir müssen Ende September wissen, ob wir loslegen können.“ Es sei mehr als die Umsetzung der Hygieneregeln vorzubereiten. Klepsch verstehe die Bedenken, stellte aber klar: „Wir haben schon im August den Beschluss gefasst, dass es Weihnachtsmärkte gibt.“ 90 Prozent der Hygienekonzepte seien zwar schlüssig, aber: „Ein Problem ist die Rückverfolgung durch die Gesundheitsämter.“ Hierzu gebe es unterschiedliche Auffassungen. Fakt ist, die Landkreisbehörde verweist meist auf die abzuwartende kommende Allgemeinverfügung. Die Ministerin betonte allerdings ausdrücklich. Der Freistaat verfügt jeweils über gültige Verordnungen. Daran können und müssen sich auch die Gesundheitsämter halten.

Vertreter*innen des Mondstaubtheaters und des Vereins „Freunde Aktueller Kunst“ beleuchteten noch einmal die Herausforderungen der sogenannten soloselbständigen Künstler*innen. Wegbrechende Aufträge und kaum Möglichkeiten auf echte finanzielle Hilfen führten bei vielen zu existenziellen Problemen. So bekommen diese z.B. keine Ausfallhonorare erstattet, wenn Aufträge wegen Corona storniert wurden.

Ministerin Klepsch bedankte sich ausdrücklich für die offene Gesprächsrunde. Gern steht sie für weitere Dialoge in Zwickau zur Verfügung. Gleichzeitig merkte sie an, „In meinen vielen Gesprächen in Sachsen treffe ich auf viele engagierte Kulturschaffende. Gleichzeitig merken wir aber auch eine noch deutliche Zurückhaltung der Bevölkerung bei der Nutzung von Kulturangeboten. Wir brauchen daher auch eine Mutmach-Kampagne.“

Es zeigte sich im Laufe der Veranstaltung, ein starker Wille zu mehr Zusammenarbeit unter den Akteuren. Das hatte zur Folge, dass die Zwickauer Kulturschaffenden sich nun wieder regelmäßiger vernetzen wollen.

Kein Stillstand im Alten Gasometer

Donnerstag
02 Apr
2020

Die aktuelle Corona-Krise hat auch auf den Verein Alter Gasometer starke Auswirkungen. So mussten wir im März alle Veranstaltungen und öffentlichen Angebote bis vorerst Ende April absagen oder verschieben. Das heißt allerdings nicht, dass wir jetzt herumsitzen und Däumchen drehen.

Aber was steht an, wenn wir keine Veranstaltungen und Projekte durchführen? Die Antworten auf diese Frage sind überraschend vielfältig. Natürlich werden auch naheliegende Dinge erledigt. So kommt man mal zu Dingen, für die sonst nicht so viel Zeit da ist, kann organisatorisches abarbeiten oder auch Überstunden absetzen.

Doch damit geben wir uns nicht zufrieden.

Unser Bereich Kulturarbeit ist neben dem Verschieben von Veranstaltungen bereits dabei das Programm ab Herbst mit vielen interessanten Künstlern zu füllen. Die Planungen gehen hierbei schon weit in das Jahr 2021 hinein. Für das Kino Casablanca sind wir momentan dabei ein „video on demand“-Möglichkeit zu schaffen, damit man auch Zuhause Filmperlen genießen kann. Außerdem stehen Überlegungen für neue Konzepte auf dem Plan, man darf also gespannt sein!

Die Jugendarbeit liegt ebenso wenig brach, denn wenn man die Jugendlichen nicht vor Ort oder – im Falle des Streetworkteams – auf der Straße trifft, dann gibt es noch andere Wege. Neben der Beratung per Telefon oder E-Mail wurde ein virtueller Jugendtreff über die Plattform „Discord“ entwickelt. So können sich die Jugendlichen statt in unseren realen Jugendtreffs nun vorerst im Voice-Chat treffen. Unsere Sozial- und Kulturpädagogen sind natürlich als Moderatoren mit dabei und bei Problemen gibt es auch die Möglichkeit zu privaten Gesprächen. Außerdem arbeitet der Jugendbereich an weiteren Online-Angeboten, die von Video-Tutorials bis hin zu einem Quiz mit Lerneffekt reichen.

Im Historischen Dorf wird weiter gebaut, denn es soll unter anderem ein Teich entstehen und die Palisade soll fertiggestellt werden. Natürlich würden wir dies viel lieber mit Kindern- und Jugendlichen machen, was ja leider zurzeit nicht geht. Deshalb bietet das Historische Dorf wöchentlich ein Video an, bei dem man beim Zuschauen etwas lernt.

Auch die Demokratiearbeit ruht nicht, denn es werden schon verschiedene Veranstaltungen vorbereitet. So schaut man zum Beispiel schon in den Herbst, denn die nächsten Novembertage kommen bestimmt und zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober ist das 2. Zwickauer Bürgerfest geplant. Hier sind viele Akteure und Ideen zu koordinieren, damit das Fest zu etwas Besonderem wird. Außerdem sind ein Podcast mit interessanten Themen und ein Online-Kneipenquiz geplant. Ganz nebenbei organisiert das Team auch noch eine Nachbarschaftshilfe, damit Menschen in Quarantäne zum Beispiel mit Einkäufen geholfen werden kann.

Natürlich ist das nicht alles, denn außerdem werden fleißig Mund-Nase-Masken genäht und eine Social-Media-Kampagne mit Tipps und Informativem zur Krise läuft. Die Masken produzieren wir natürlich für unsere Mitarbeiter aber u.a. auch für das Heinrich Braun Klinikum und die Einrichtungen der Diakonie Stadtmission Zwickau e.V..

Zusätzlich renovieren wir einige Ecken im Haus und das Desinfizieren sowie die erhöhten Hygienemaßnahmen halten unseren Gebäudereiniger und Hausmeister ziemlich auf Trab.

Uns wird also nicht langweilig, denn Soziokultur findet immer Wege, sich in die Gesellschaft einzubringen: Selbst, wenn man nicht nach draußen kann!

Mit Herz und Verstand – #wirgemeinsam