Vortrag & Gespräch: Ein Jahr nach Entdeckung des NSU-Terrors.

17.10.2012, 22:15 Uhr


Am 4. November 2011 kam es kurz nach 15 Uhr zu einer Explosion und anschließendem Brand in einem Wohnhaus in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau-Weißenborn. In den folgenden Tagen, Wochen und Monaten sollte ein beispielloses und bis dato unvorstellbares rechtsterroristisches Netzwerk mit seiner abscheulichen Verbrechensserie an die Öffentlichkeit gelangen.

 

Jahrelang lebten sie unbehelligt im Untergrund: Die rechtsextreme Terrorzelle, die aus der Neonaziszene in Jena der 1990er Jahre hervorging, um Uwe Böhn­hardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe ist vermutlich für die Mord­serie an ausländischen Klein­unter­nehmern, den Tod einer Polizistin und zahlreiche Bank­überfälle verantwort­lich. 

Die Anzahl der Unterstützer ist unklar, sie könnte bis 50 Personen stark sein.

Dem NSU werden unter anderem die Neonazi-Mordserie in den Jahren 2000 bis 2006, das Nagelbomben-Attentat in Köln im Jahr 2004 und der Polizistenmord von Heilbronn im Jahr 2007 zugeordnet. Die Bundesanwaltschaft bezeichnet sie als „rechtsextremistische Gruppierung“, deren Zweck es sei, „aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten“.

Das Handeln von Sicherheitsbehörden wie Verfassungsschutz, MAD und Polizei führte im Juli 2012 zur Absetzung des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der Präsidenten des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz und des Sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz sowie des Präsidenten des deutschen Bundeskriminalamts (BKA). Nachlässigkeiten, Aktenvernichtung, der Einsatz von V-Leuten, Ermittlungspannen und organisatorische Defizite werden im NSU-Ausschuss des Bundestages untersucht.

 

“Ich bin überzeugt, dass die Mordserie ein Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik war, der mehr Reaktionen hervorrufen müsste. Es gab hier und da Demonstrationen, etwa in Kassel oder in Dortmund. Aber es ist keine größere gesellschaftliche Bewegung entstanden oder ein Präventionsprogramm.”

Barbara John, Ombudsfrau der NSU-Opferfamilien

 

Wir möchten 1 Jahr nach der „Enttarnung“ mit folgenden Gästen ins Gespräch kommen:

  • Dr. Pia Findeiß, Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau 
  • Ellen Esen, Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismusexpertin
  • Christian Fuchs, Autor (Die Zelle), Reporter und Journalist u. a. für Die Zeit, Spiegel-Online und das SZ-Magazin
  • Rainer Eichhorn, Alt Oberbürgermeitser und Beirat des Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region
  • Sabine Friedel, Mitglied im 3. Untersuchungsausschuss Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen

Moderation: Bastian Wierzioch, MDR FIGARO

 

Wann: Mo | 05.11.2012, 19:00 Uhr

Wo: Alter Gasometer, Saal

Eintritt frei

Veranstalter: Alter Gasometer e.V. & Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region


Die Veranstaltungen wird in Gebärdensprache übersetzt, mit freundlicher Unterstützung durch Studenten der FH Zwickau / 7. Semester Gebärdensprachdolmetschen. 


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