Fil Bo Riva – „Beautiful Sadness“ Tour

Freitag
17 Mai
2019

Wenn es in diesen Tagen vor der Europawahl noch Argumente für ein geeintes Europa braucht, hier ist eines: Filippo Bonamici aka Fil Bo Riva. Gebürtiger Römer, Vater Italiener, Mutter Deutsche, in Madrid gekellnert, in Irland Abitur gemacht, in Berlin studiert. Die Stimme des jungen Italieners „verfolgt“ jeden auf positive Art und er verbindet melancholische Songs mit extremer Dynamik. Seine Musik schwebt zwischen Folk, Soul und Pop – sie macht glücklich und nachdenklich zugleich. Auf seinem Debütalbum zeigt Fil Bo Riva solide seine musikalische Vielfältigkeit, gepaart mit musikalischer Bedachtheit und zugleich unfassbarer Leichtigkeit. Die Chemie zwischen den Musikern stimmt und man merkt, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes eingespielt sind. Das Konzert endet nach anderthalb Stunden und hinterlässt begeisterte Gasometergäste. Doch schon zuvor hatte der Support Máni Orrason mit aufgewecktem Folkpop aus Island überzeugt. Nicht selten wird der 21-Jährige als „modern, laut, selbstbewusst“ beschrieben, ein im positivsten Sinne ungewöhnlicher Nachwuchskünstler, der nicht nur seinem Alter, sondern zunehmend auch seiner Zeit voraus ist. Sein leichter Folkpop-Indie Sound geht direkt ins Ohr. Und das ist sehr bemerkenswert, denn trotz seiner jungen Jahre bringt er bereits viel Erfahrung mit und so schafft er es auch, schwere Gedanken in lebendige, lockere Songs mit klugen Texten zu verpacken. Sympathisch! Insgesamt ein besonderes kulturelles Event mit ungewohnten und außergewöhnlichen Klängen.

Fil Bo Riva@Alter Gasometer Zwickau from Alter Gasometer on Vimeo.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Gisbert zu Knyphausen Duo

Samstag
27 Apr
2019

Auch wenn Gisbert zu Knyphausen selbst über seine Stücke sagt, dass „Traurigkeit der Motor seiner Lieder“ ist, war dieser Abend viel mehr als traurig: er war zauberhaft, wundersam, voller Liebe zur Musik und schönen Klängen und bisweilen war sie da, die spürbare Traurigkeit im Liedschatz Gisberts, die womöglich in ihm liegt, aber dennoch die Kraft zur Positivität hat. Gisbert und Karl Ivar Refseth am Vibraphon zeigten, dass seine Stücke auch in der Duo-Besetzung kraftvoll, besonders und vor allem kleine Meisterwerke sind. Ein unglaubliches Klangerlebnis war es, als Karl Ivar sein Vibraphon als Streichinstrument umfunktionierte und quasi ein neues Instrument schuf – das „magical harmonic vibrastring“. 2012 war Gisbert zum ersten Mal im Gasometer. Nach einer ziemlich langen Pause von der Bühne schrieb er 2018 mit „Das Licht dieser Welt“ ein sehr positiv klingendes Album. Durch Plaudereien und der Kultivierung des „Unperfekten“ spielten und sangen sich die beiden Musiker in die Herzen der 250 Besucher.  Zwei Musiker in der Interaktion: wir alle konnten spüren, wie perfekt die Beiden miteinander musizierten, weil sie sich schätzen: Danke Gisbert und danke Karl Ivar!

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Andreas Kümmert (Duo)

Samstag
06 Apr
2019

Andreas Kümmert im kleinen Rahmen, aufs Wesentliche reduziert, als Duo auf der Gasometerbühne zu erleben ist etwas Besonderes. Er ist ein leidenschaftlicher Live-Entertainer und macht als begnadeter Blues-, Rock- und Soulsänger Musik, die berührt. Mit seiner jahrelangen Erfahrung in diversen Bands kann Andreas Kümmert heute eine unglaubliche Bandbreite von seinen Stimmbändern abrufen, die er unverkrampft, ohne Theatralik rüberbringt. Vom swingenden Neo-Soul über ansteckenden Funk bis hin zur bombastisch inszenierten Ballade, öffnet er die ganze Bandbreite seines Könnens. Ein Rocker mit Herz, ein ehrlicher Kumpeltyp, der nicht davor zurückscheut ebenso echte Tiefen auszuloten, steht da auf der Bühne. Dazu gehört auch, dass er für zwei Songs einfach von der Bühne herabsteigt und mit seinem Partner in den Zuschauerreihen spielt und singt. Ein klasse Abend an dem das begeisterte Publikum gut mitging und der schließlich mit stehendem Applaus endete.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Kay & Funky von TON STEINE SCHERBEN & Gymmick

Freitag
05 Apr
2019

All die rotzige Schönheit der „Scherben“ hautnah und live im Gasometer Zwickau: Mit den Ur-Scherben Kai Sichtermann, Bassist seit TSS-Gründung 1970, und Funky K. Götzner, Schlagzeuger seit 1974, jetzt Cajón, ist das groovende Grundgerüst dieser legendären Band wieder zu erleben. Fehlt also nur noch eine Stimme. Und mit Gymmick, dem charismatischen Songpoeten aus Nürnberg, hätten Kai und Funky keinen besseren Frontmann finden können. Gymmicks Aura und Stimme kommt dem Vorbild Rio Reisers so nahe wie keiner zuvor und schafft dabei doch, eine faszinierende ganz eigene Persönlichkeit zu bleiben. Ein großartiger Auftritt des Trios, das die verschiedenen musikalischen und inhaltlichen Facetten der Songs von Reiser und den „Scherben“ exzellent rübergebracht hat. Von der Bühne kam es erdig und kraftvoll, mal mit sattem Groove dann wieder mit balladeskem Zauber, immer aber direkt und unverstellt. Ein Abend zum Rocken, Hören und Zuhören. Wer sich beispielsweise bei der Migrations-Debatte zu Wort melden möchte, dem sei der Song „Mein Name ist Mensch“ empfohlen: „Ich habe viele Väter. Ich habe viele Mütter und ich habe viele Schwestern und ich habe viele Brüder. Meine Väter sind schwarz und meine Mütter sind gelb und meine Brüder sind rot und meine Schwestern sind hell. Ich bin über zehntausend Jahre alt, und mein Name ist Mensch!“. Das Lied wurde bereits 1971 geschrieben und hat an Aktualität nichts verloren. Das Publikum zeigte sich in bester Mitsing-Stimmung und nach den Zugaben endete ein über zwei stündiges Konzert der „Scherben“ im Applaus.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Funny van Dannen

Samstag
30 Mrz
2019

Es war ein wunderbarer Abend mit Franz-Josef Hagmanns-Dajka, alias Funny van Dannen, der die mehr als 200 Besucher aus Nah und Fern im Gasometer begeisterte. Viele der Gäste sangen seiner Lieder von der ersten bis zur letzten Strophe mit und bewegten sich leicht im Takt der Musik. Sie lauschten einem Künstler, der mit seinen Stücken wagt, unausgesprochenes zu vertonen und sich dabei auch nicht scheut, Lieder, die man so vielleicht nicht erwarten würde zu hören zu schreiben. Diese Stücke zaubern einem immer ein Lächeln und Schmunzeln über das Gesicht oder ein „Darf der das?“ und sind oft sehr politisch. Sie entführen in herrliche absurde Welten und in den täglichen Trott und Wahnsinn. Sein Esprit ermöglicht es ihm, dass die Gratwanderung zwischen der „Schilddrüsenunterfunktion“ und „Farben“ keine ist – sondern große Kunst. Funny, der schon nachmittags die Sonne in Zwickau genoss und mit seinen Kollegen in einer Gaststätte einkehrte, war zum ersten Mal in seiner langen Karriere als Musiker in Zwickau und bemerkte lakonisch in seiner Intro, dass er sehr viele schöne Häuser gesehen hatte – aber die Zwickauer wohl ein Problem mit Leerstand hätten. Funny – Punker im Geist, Miniaturist in seinen Liedern und gleichzeitig Poet und Wortakrobat – wir hoffen, dass Du nicht zum letzten Mal bei uns gewesen bist.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

GLASBLASSING – FLASCHMOB

Freitag
29 Mrz
2019

„Liedgut auf Leergut“ lautete hier das Motto im Gasometerrund. Cokecaster Flaschengitarre, Flachmanninoffxylophon, Wasserspenderfloortoms: Das Ensemble GlasBlasSing zeigt, was sich mit Flaschenüberresten alles anstellen lässt. Ob Blues, Rumba oder Uptemporocksongs, ob selbst komponiert und getextet oder frech adaptiert – wer Flaschenmusik so versteht, wie das GlasBlasSing-Quartett, der duldet keine stilistischen Grenzen. Nach dem Motto „Bitte ein Hit“ singen, flöten, klimpern, klappern und ploppen sie sich quer durch sämtliche Genres und Getränkesorten und unterziehen dabei etliche dahinwelkende Melodien einer Generalüberholung. Wer GlasBlasSing noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Die Jungs haben gekonnt, ihr Publikum im Gasometer mit einer Mischung aus Witz und toller Musik unterhalten. Es ist faszinierend wie sie es schaffen, mit so vielen Flaschen gleichzeitig Musik zu machen. Ein Genuss für Augen und Ohren. Amüsant, kurzweilig, ideenreich, kreativ, geistreich und einfach umwerfend.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Lord of the Lost

Freitag
22 Mrz
2019

Es kündigte sich bereits im Vorfeld an, denn die Veranstaltung war ausverkauft und es wurde händeringend nach Karten gesucht, die jemand übrig haben könnte. Und so war das Haus am Freitagabend auch zum Bersten gefüllt und die Spannung stieg. Die Ersten auf der Bühne waren die Schweitzer Gothrocker „Hell Boulevard“, die das Publikum schon gut auf Betriebstemperatur brachten. Mit Songs, wie „In Black We Trust“ und einer düsteren augenzwinkernden Version von Britney Spears‘ „Hit Me Baby One More Time“ sorgten sie bereits für die richtige Atmosphäre. Doch mit dem Auftritt von Lord of the Lost bekam das Ganze dann nochmal eine großartige Steigerung. Nach dem Auftakt mit ihrem neuen Song „Loreley“ schaute sich Sänger Chris Harms im Saal des Gasometers um und bemerkte, was dies doch für eine außergewöhnliche Location sei. Dies setzte er später fort und ordnetete den Alten Gasometer gar als eine der Top 10 Locations seiner 20-jährigen Musikerkarriere ein. Und nicht nur der Ort war besonders, denn das Publikum ließ sich nicht bitten, sondern klatschte, sang und jubelte frenetisch das ganze Konzert hindurch. Die Band präsentierte allerdings auch eine Show, die nichts vermissen ließ und gegen Ende standen drei der Musiker auf dem Bartresen und rockten von dort aus den Saal. Eine Besucherin beschrieb das Konzert im Anschluss auf Facebook mit „Das war kein Konzert, das war der geilste Abriss aller Zeiten.“ – und wenn das nichts ist, dann wissen wir auch nicht. Das sah der Nachwuchs nicht anders, denn einige Eltern hatten die nächste Generation schon mit dabei – natürlich mit Gehörschutz. Zwei Mädchen tanzten ausgelassen mit ihrer Mutter, ein Junge erzählte ganz stolz und mit strahlenden Augen, dass es sein erstes Konzert sei und ein anderer stand headbangend am Treppenaufgang und bekam von Frontmann Chris sogar von der Bühne aus die Hand gereicht. Einige im Publikum waren von weit her angereist, so kam eine Besucherin extra aus Rostock nach Zwickau. Und auch nach dem Konzert verschwanden die Bands nicht einfach, sondern widmeten sich ihren Fans ausgiebig, machten mit ihnen Fotos und gaben Autogramme.

Konrad Küchenmeister

Freitag
15 Mrz
2019

Konrad Küchenmeister verbindet traditionelles Musikerhandwerk mit der Technik des neuen Jahrhunderts und schafft so aberwitzige Livekonzerte. Er steht allein auf der Bühne und trotzdem klingt es ihm, wie eine komplette Band zu klingen. Dank Loopstation kein Problem, und die wird von ihm aus dem Effeff beherrscht. Durch die Spontanität und Improvisationskünste des talentierten Musikers ist kein Konzert wie das andere. Die Ein-Mann-Show ist mit den vielen musikalischen Einflüssen gespickt. Fette, basslastige, tanzbare und handgemachte Loop-Musik mit Stilen, wie Drum’n’Bass, Reggae, Dubstep, Ska, Dub – alles kriegen die Gäste um die Ohren.

Aber ganz allein war er dann doch nicht, denn in den Tagen vor dem Konzert führte Konrad Küchenmeister einen Loop-Workshop durch. Die Ergebnisse präsentierte er zum Konzert gemeinsam mit den Teilnehmern auf der Bühne. So funktioniert Soziokultur, eine Perfekte Mischung aus Beteiligung, Lernen, Kultur und natürlich einer klasse Show.

So entstand ein unvergessliches Erlebnis und legt den Startschuss für einen richtig bewegten Abend im Saal des Alten Gasometers.

Veranstalter: Alter Gasomter e.V.

Salt House – scottish folk

Mittwoch
13 Mrz
2019

Salt House aus Schottland machen schottische Folk-Musik, wie sie schottischer nicht klingen könnte. Zum einen sind da die Instrumente, die in dieser Zusammensetzung klassisch schottisch sind: Geige, Bratsche, Harmonium und Gitarre. Zum anderen singen sie über die wunderschöne schottische Natur, das Meer und die Inseln. Salt House geben alten Texten neue Melodien, bearbeiten alte Balladen oder schreiben sie ganz einfach selbst neu. Auf der Gasometerbühne steht eine sehr gut funktionierende Band mit den beiden Songschreibern und Sängern Jenny Sturgeon mit dem Harmonioum und Ewan McPherson mit der Gitarre sowie Lauren McColl, die der Geige und Bratsche wunderbar folklorige Töne entlockt. Seit sich die Band vor etwa fünf Jahren gegründet hat, sind zwei Alben erschienen. Ihre aktuelle Platte trägt den klingenden Namen „Undersong“, was so viel bedeutet wie „der murmelnde Raumklang einer Landschaft“. Und mit diesem landschaftlich inspirierten Tönen zogen sie das Publikum in ihren Bann.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

IC Falkenberg

Samstag
09 Mrz
2019

IC Falkenberg machte Musik und begeisterte mit ihr, aber vor allem seiner Art, seinem Witz und mit den Geschichten zu den Liedern und den Legenden, die sich um manche Lieder rankten. Die Gäste im Alten Gasometer waren begeistert und bedachten den Künstler mit stehenden Ovationen. Ein sichtlich gerührter IC Falkenberg verschwand nicht von der Bühne, sondern gab noch mehrere Zugaben. Aber auch den Grund, warum IC niemals mehr beim Schlussapplaus die Bühne verließ, lieferte er: bei einem Auftritt vor vielen Jahren in Zwickau verließ er die Bühne und das Theater, da er sich von der anderen Seite aus dem Zuschauerraum in den Saal schleichen wollte – aber es kam anders. Er wählte dem Weg aus dem Fenster nach draußen – jedoch der Eingang ins Theater war von außen nicht mehr möglich – IC hörte den tosenden Applaus und kam nicht mehr in den Saal zurück, denn in der Zwischenzeit war das Garderobenfenster von innen verschlossen worden. Irgendwann erstarb der Applaus und das Publikum verschwand – schlecht gelaunt – vorbei am Künstler, der sich zu fein war, Zugaben zu geben. Aus diesem Grunde verschwindet IC bei keinem Schlussapplaus mehr von der Bühne.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.